Bedrohte Umwelt, bedrohte Schönheit oder Wasser, das Gold des neuen Jahrtausends
<!– @page { size: 21.59cm 27.94cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } –>Ich nehme Platz auf dem Deck des Slowboates, das tagtäglich unzählige Laotsen und Touristen über einen der zehn größten Flüsse der Welt kutschiert: den Mekong.
Ich nehme meine Tupperdose mit den Nudeln und dem Ketchup , der mir als kulinarische Soße auf der Fahrt über den Mekong im Norden Laos meinem Essen mehr Geschmack verleihen soll. Ich mag Gesellschaft beim Essen und der Mekong in seiner Schönheit leistet mir eine Gute.
Während ich mir Ketchup auf den Tellerfülle, spüre ich die Kraft, die von dem großen Fluss ausgeht. Er ist eine lebenswichtige Ressource für alle sechs Länder durch die er fließt (China, Myanmar (Burma), Laos, Thailand, Kambodscha, und Vietnam).
Der Mekong leistet lebendige Gesellschaft. Wasser ist Kraft und bedeutet Leben. Deshalb wohnen auch viele Laotsen an seinem Becken. Von ihm bekommen sie ihr Wasser zum Waschen, ihr Wasser zum Kochen, ihr Wasser zur Bewirtschaftung ihrer Felder. Reichhaltige Landwirtschaft, die für das ganze Agrarland von Bedeutung ist. In dem Mekongwasser schwimmen die Kindern stundenlang, platschen, tauchen mit professionellen Saltos in ihn hinein. Der Mekong passt mit seinen dominierenden braun-grünen Farben perfekt in das landwirtschaftliche Laos.
Ein Gewitter zieht auf. Mein Tomatenketchup sieht nun aus wie Gewürzketchup und das Bild verliert an Fröhlichkeit.
Das Gewitter wirbelt das verdeckte Moorige des Flusses an die Oberfläche und ich ziehe mich mitsamt meinen Nudeln unter das Deck, wo ich noch mehr von der Fröhlichkeit verliere, mit der ich auf dieses bestaunende Naturwunder des Mekongs geschaut habe: Die Mekong-Politik.
Für die Menschen bedeutet er Leben, für die Wirtschaft bedeutet er Profit, denn aus Wasser kann man Strom gewinnen.
Wasser, das Gold des neuen Jahrtausend. Ein bekämpftes Gut, das vernünftig und gerecht genutzt werden muss, so dass Natur und Bevölkerung langfristig davon leben können. Das haben vier der sechs Anrainerstaaten des Mekong – Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam –erkannt und sich im Jahre 1995 auf ein gemeinsames Management des Flusses und seiner Ressourcen sowie der Entwicklung des ökonomischen Potenzials des Mekong geeinigt. Das Ergebnis war die „Mekong River Commission (MRC)“. Seit 2002 sind Burma und China sogenannte „Dialogpartner“.Obwohl sie genauso von einhergehenden Umweltschäden bei falscher Benutzung betroffen wären, haben die beiden Staaten den Vertrag bis heute nicht unterschrieben.
Der Mekong ist ein mächtiger Fluss und China ist eine Großmacht. China ist zwar kein wasserarmes Land, aber die Ressourcen dort sind ungleich verteilt. Ca. 80 Prozent der Vorkommen befinden sich im Süden des Landes, wobei ein Großteil der Bevölkerung Chinas und die Industriezentren im Norden zu finden sind.
Das drängendste Problem ist die Versorgung mit sauberem Wasser. So stehen China mit seinen 22 Prozent der Weltbevölkerung nur sechs Prozent der weltweiten Wasservorräte zur Verfügung. 700 Millionen Chinesen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. China befindet sich also in einer Zwickmühle: die chinesische Wirtschaft wächst und der Druck auf die natürlichen Ressourcen im gleichen Zug.
Auf China passt das Sprichwort: „Wer an der Quelle sitzt, hat die Macht“. Die Quelle sei in China platziert, sagen die Chinesen. Höchstwahrscheinlich entsteht der Mekong irgendwo in Tibet. Aber auch wenn er dort seine Quelle hat, so macht das für China keinen Unterschied. Von „oben herab“ hat China also das Wasservorkommen des Mekongs schon durch zwei gebaute Staudammprojekte in den Unterläufen minimiert und für sich gewonnen. Es heißt, China plane insgesamt zwölf weitere Projekte.
Experten wissen was Dammprojekte für negative Auswirkungen auf Umwelt, Artenreichtum und die in der Nähe gelegen Bevölkerungen bedeutet. Laut einer im Jahr 2005 erschienenen WWF-Studie legen Dämme Fechtgebiete trocken und gefährden so wichtige Wasserressourcen. Häufig verschlechterten sie die Fischereierträge und tragen zu Artenarmut bei. Während oftmals billigere Energie und verbesserte Bewässerungssysteme versprochen würden, verschärften die Megaprojekte in vielen Fällen wirtschaftliche Probleme durch höhere Strompreise und die Umsiedlung zahlreicher Menschen, so der WWF. Weltweit seien durch Dammbauten bis heute 60 Prozent der Flüsse reguliert und bis zu 80 Millionen Menschen umgesiedelt worden.]
Auf meiner Reise durch Zentrallaos habe ich die sozialen Folgen einer Umsiedlung in Laos mit eigenen Augen gesehen. Das „NamTheun 2“, ein großes Staudammprojekt in Laos, das von der Weltbank mit finanziert wird, soll Laos bei der Fertigstellung ein hohes Einkommen durch den Verkauf von Strom an seine Nachbarstaaten wie Thailand und Vietnam versprechen. Laos ist ein Entwicklungsland und hat bis heute selbst noch keine dauerhafte Stromversorgung. Die Neubaugebiete liegen in den Bergen, die Landwirtschaft dort muss neu entwickelt werden und viele traditionelle Stämme wurden aus ihren Jahrzehnten lang bewohnten Gebieten gezerrt und entwurzelt, um mit anderen Stämmen und deren Kulturen zusammengewürfelt zu werden. Das mit dem „Umzug“ auch ein kultureller Verlust inne liegt hängt mit dem Heimatverlust und der Aufgabe eine neue Lebensgrundlage zu schaffen zusammen. Um sich diese zu schaffen, werden in der Umgebung wie sonst auch in Laos, die fruchtbaren Wälder radikal abgebrannt. Dafür gibt es keine Behörden, die solche Flächenbrände unter Kontrolle halten. Solche freien Felder können dann in der Regel für eine einzige Reisernte bewirtschaftet werden und dann liegen sie für sieben bis acht Jahre wieder brach. Interessant dabei ist, dass vor allen Dingen die Monokultur an Kautschukplantagen die virtuosen Wälder ersetzen. Da hängt China wieder mit im Spiel, die solche Monokulturen durch attraktive Bezahlungen fördern. Der Bau des großen Staudammprojektes und die instabile Bodenlage durch diese Landwirtschaft machen das Gebiet zu einem gefährlichen Lebensraum. 12 deutsche Nichtregierungsorganisationen haben einen Brief an den deutschen Generalsekretär im Jahr 2001 geschrieben, dieses Projekt nicht weiter mit Geld finanziell zu unterstützen. Sie urteilen scharf. „Nam Theun 2 verstößt gegen fast alle Empfehlungen der Weltstaudammkommission“, sagt Aviva Imhof vom International Rivers Network (IRN). „Mit der Kreditvergabe zeigt die Weltbank, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit nicht gelernt hat.“ Weder sei die Bevölkerung vor Ort ausreichend in die Planung mit einbezogen worden, noch sei künftig ein angemessener Interessenausgleich garantiert.
Chinas historische Bedeutung in den südostasiatischen Staaten, als auch die seit Jahrzehnten andauernde Präsenz als Handelspartner und sein politisches als auch ökonomisches Zentrum ganz Asiens spiegelt die Dominanz gegenüber seinen südlich gelegenen Nachbarstaaten wider. Das Interesse Chinas an den dort vorhandenen Rohstoffen steht im Gegensatz zum Umweltschutz an erster Stelle.
Steven van Beek hat 40 Jahre lang in der Mekonggebiet gewohnt und ist heute ein Reiseführer der Kajaktouren auf dem Mekong anbietet. Er sagt, dass man schnell kommen muss, um die Schönheit des Mekongs zu bestaunen Ich stimme ihm zu, als ich traurig über meinen ketchupüberschwemmten Teller auf den Mekong blicke und hoffe, China nicht mit seinen Entscheidungen, die auch den südostasiatischen Raum betreffen, als Schrittmacher für ganz Südostasien wird, sondern diese Staaten sich in Zukunft zusammen gegen die Großmacht stellen können.



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