Vietnam+Krieg=Vietnamkrieg… oder korrekterweise: Vietnam=Vietnam

Neben mir liegt ein Buch mit dem fettaufgedruckten im blinkedem Rot auf sich aufmerksam machenden Titel „Understanding Vietnam“.

Wie gesagt, es liegt neben mir. Ich zögere einen Moment diese Situation des „Neben mir liegens“ in eine Situation zu verwandeln, wo ich sagen könnte, dass das Buch aufgeschlagen in meinen Händen liegt.

Ich zögere einen Moment und ich zögere einen Moment länger. „Understanding Vietnam“ hallt es in meinen Ohren. Das klingt wie eine dieser vielversprechenden Brigitte Titel „Wie du abnimmst, ohne etwas zu tun“. Vielversprechend und so einfach. Ach, gähne ich in meinem menschlichen Wesen… nichts machen…! und trotzdem alles bekommen…! Brigitte weiß wie sie uns Menschen zum Kauf anregt… Nichts machen und doch alles bekommen, da träumen wir doch alle von, wenn wir als Kinder die Könige und Königinnen auf unseren Malzetteln mit unseren Namen versehen.

Understanding Vietnam“ kündigt dieses Buch an. Das Buch scheint von dieser Sorte Buch zu sein, die sich regelrecht aufdrängeln, die zum Kauf zwingen… wie so eine Brigitte Zeitschrift eben. Das Buch, als auch Brigitte versprechen mir eine Antwort auf meine Fragen und eine Lösung für meine Probleme zu finden.

Meine Frage: Habe ich Vietnam verstanden? Habe ich Vietnam nach einem Monat verstanden? Die Antwort wäre das Buch? Mein Problem: Ich weiß nicht, ob ich Vietnam für mich verstanden habe. Die Lösung läge vielleicht in dem Buch.

Es liegt immer noch neben mir und ich zögerer während ich einen Schluck Wasser trinken. Dieses eine Bedürfnis gestillt, rumort das andere Bedürfnis in mir: Wissenshunger. Es bölkt und grummelt in meinem Bauch, schreit danach gesättigt zu werden.

Meine Hand streicht lüstern über den Buchrücken… So dargelegtes Wissen häppchenweise in Kapiteln zubereitet und abgepackt, selbst das Kauen wäre nicht mehr nötig, alles puriert, zum Schlucken da… ganz einfach.. runterschlucken und mein Wissenshunger wäre gesättigt. Nichts tun und doch alles bekommen…
Ich zucke mit meiner Hand. Zuckend nähere ich mich dem Buch.

Da plötzlich streckt sich mit mein Zeigefinger entgegen: „Na, du Schlingel!“, klappst er mir belehrend auf die andere Hand, die der Versuchung das Buch zu lesen nicht widerstehen konnte. „Du wirst ja wohl erstmal deine Finger schmutzig machen, bevor du einfach der Unkompliziertheit halber das Wissen von anderen herunterschluckst! Das geht so nicht, Süße!“, bohrt sich mein Zeigefinger seinen Weg zwischen meine Augen. „Überleg erstmal selbst, was du von Vietnam verstanden hast!“.

Understanding Vietnam“, hallt es noch immer in meinen Ohren.

Diese beiden, die Ohren, hatten sich während des Konflikts mit meinem Zeigefinger, schon mehrmals wütend an meine Gehirndecke geklopft und gerufen, sie solle doch mal eine Tür aufmachen und dieses eine Frage, die meinen Kopf seit dreißig Tagen Vietnam beschäftigt rauslassen. Mein Gehirn läuft auf Hochtouren, versucht diese eine Frage: „Vietnam? Da herrscht doch Krieg! Was willst’n da?“durch die Nasenlöcher herauszukatapultieren.

Meine Nase hat’s aber gestrichen voll, immer als Auslasser dazustehen und rümpft sich eingebildet, dass doch auch mal was über die Lippen kommen muss und nicht solche Probleme immer durch das eine Ohr und dann weil es nicht durch das andere Ohr rausgeht, dann einfach an ihr, der Nase ausgelassen wird.

Da meldet sich mein Herz an der richtigen Stelle und singt mit zuckersüßer Stimme: „Lasst uns dieses Herzensangelegenheit mal genauer unter die Lupe nehmen… Dieses „Vietnam? Da herrscht doch Krieg! Was willst’n da?“ liegt doch sonst schwer im Magen.“.

Mein Magen grummelt darauf hin tief und inbrünstig: „Man muss sich dann aber mal auf den Hintern setzen und diese Aussage von Kopf bis Fuß betrachten.“

Mein Allerwertester guckt kneifend zu meinen Füßen herunter. Die fühlen sich nicht auf den Fuß getreten, sondern angesprochen. Sie baumeln einverstanden herum, dass das Thema „Vietnam und Krieg und was man denn da wolle“ so lange Beachtung finden sollte, bis es ausgelatscht seie.

Meine Hand zuckt immer noch ein bisschen… Aber da meine ganzen anderen Körperteile sich einstimmig dafür aussprechen, dass ich erstmal selbst eine Anstrengung machen sollte, bevor ich einfach nur unwissend Wissen schlucke. Mir war keine Rebellion mit einer einzigen Hand möglich… und auch die hat sich dann überzeugen lassen, dass ich doch nach 30 Tagen auch zu eigene Schlüssen kommen müsste.

Die Versammlung meiner Körperteile kam also an jenem Tag zu dem Konsens, dass sich sie alle ja auch zusammengefunden haben auf dieser Reise, um dieses Land zu erfahren. Wo sie sich schon alle auf den langen Weg nach Vietnam gemacht haben, so könnten sie sich auch zusammensetzen und was eigenes auf „die Beine bringen“. Ich stimmte allen Teilen in ihren Argumenten zu… so ein Buch, das könnte ich ja auch zu Hause lesen, dafür müsste ich nicht in Vietnam sein.

Und so vereinbarte ich mit meinem Körper, dass ich selbst Kapitel anlege, wie in einem Buch, die aber von mir kommen und somit auch leichter verdaulich sind.

Die Hand meldete sich am Schluss noch, dass es im Nachhinein ja auch nicht vollkommen falsch sein könne, doch mal „ein Auge auf das Buch zu werfen“. Meine Augen verdrehten sich nicht auf diesen Kommentar, sondern zwinkerten zustimmend, dass gegen ein „Nachher“ nichts einzuwenden wäre.

Ich fand die Idee gut, erstmal eigenes Wissen durch die gemachten Erfahrungen zu filtern. Außerdem war diese Aussagen „Vietnam? Da herrscht doch Krieg! Was willst’n da?“ eine an mich persönlich gerichtete Frage gewesen und das Buch hätte mir nur historisch korrekte Fakten beschert, um zu sagen, dass von dem Zeitpunkt bis zu einem anderen offiziell Krieg herrscht und dann von…

Die stattgefunden Revolution meiner Körperteile wollte aber, dass ich ein eigenes Vietnam-Kapitel anlege.

Zu dem ersten Teil der Aussage, die mir während der Wochen in denen ich in Vietnam war nicht mehr aus dem Kopf ging: „Vietnam?“ meine Antwort: „Ja, Vietnam!“.

Zu dem zweiten Teil der Aussage: „Da herrscht doch Krieg!“, meine Antwort: „Nein, nur der gewöhnlich konstante zum Alltag gewordene Krieg, den wir nicht mehr als einen solchen wahrnehmen. Der alltäglich Krieg, weil es die Weltwirtschaft in selbst geschriebenen Naturgesetzen so festgelegt hat. Wenn diese Aussage schlicht weg Bezug auf den „Vietnamkrieg“ ausdrücken wollte, dann heißt die Antwort: Ja, in Vietnam herrschte Krieg – aber mit dem Zusatz, dass ich es schade finde, dass das die erste und in diesem Fall die einzige Assoziation mit diesem Land ist.

Zu dem dritten Teil der Aussage: „Was willst’n da?“, meine Antwort: „ Genau das verhindern. Verhindern, nur das mit Vietnam in Verbindung zu bringen. Versuchen auch meine limitiertes Wissen über dieses Land zu erweitern, so dass ich sozusagen „fortschrittlicher“ dieses Land in seinem heutigen Kontext erfahre.

Der Krieg, die jahrhundertlangen Einflüsse von anderen Ländern auf Vietnam – unwiderlegbar. Das Buch würde jetzt konkret sagen, wann wer wie lange in diesem Land einmarschiert war und was das für Folgen hat. Ohne die Buchkapitel aufgeschlagen zu haben, sehe ich auch von alleine einige Einflüsse.

Die Chinesen zum Beispiel. Sie müssen sich lange in Vietnam niedergelassen haben. Ihre Sprache im Schriftstil, die wird heute noch überall da benutzt, wo es um zeremoniellen Klimbims geht. Die Vietnamesen sind ein Völkchen, dass im wahrsten Sinne des Wortes, sich die Religionsausübung ins Haus geholt hat. Neben den Tempeln, Kirchen und anderen Religionsstätten, hat jede vietnamesische Familie einen individuellen Heimaltar. Das gehört zur gewöhnlichen häuslichen Ausstattung wie bei uns ein Kühlschrank in die Küche gehört. Die Heimaltare variieren von einklappbaren, praktischen Minialtaren bis zu Übergrößealtar, der die Hälfte eines 15qm² großen Raumes füllen könnte. Die Altare und die dazugehörigen Accessoires können allesamt im speziell dafür ausgerichteten Shops gekauft werden. Die Kleinteile, die Aufschriften haben, die sind je mit chinesischen Zeichen versehen. Die Generation, die heute 50 ist und älter, die sind auch noch alle in der Schule zum Lesen dieser kleinen Weisheiten erzogen worden. Heute steht die chinesische Sprache allerdings nicht mehr in Curriculum der Schulen. Wenn es zum Beispiel mal wieder in der Familie heißt, das Glück, die Sicherheit und den Erfolg der Familie in sicheren Tüchern zu wissen, dann ziehen die Vietnamesen los, kaufen das ganze erhältliche Sortiment an Pepsi und Coca Cola Dosen, eine Bandbreite an Butterkeksen und fertiggegrillten Hühnern, die dann als Opfergabe auf dem Altar gelegt werden. Das ausgehüllte Hühnchen kann je nach Präferenz auch mit dem ausgestreckten Hinterteil in Richtung des Raumes platziert werden… das ist dann der vietnamesische Altar-Spezialeffekt. Neben dem ganzen ungesunden Zeugs, karren sie auch noch gerne Obst und andere Leckereien heran. Die Einkaufstüten aus den speziellen Läden, werden ausgepackt und je nach Zweck und Nutzen an die dafür vorgesehen Stelle auf dem Altar gelegt. Neben „gewöhnlichen“ Räucherstäbchen kommen dann noch so Besonderheiten wie Papierautos, Papiergeld… hinzu. Die aus Papier hergestellten Autos… können wie so eine Art Überraschungsei eingekauft werden, nur das dabei die Schokolade fehlt. Die Spannung ist auch nicht vorhanden, weil man schon auf dem Packungsschild lesen kann, was für eine Art man da in Papierformat gekauft hat. Das Spiel jedoch, das ist inklusive. Die verschiedenen Papierteile müssen nämlich erst zu dem Zielobjekt zusammengesetzt werden. So opfern die Vietnamesen den Göttern ihre besten Coladrinks, Butterkekse, eingefetteten Hühnchen und lebensgroße Autos… um die Verstorbene zu beschenken und den guten Segen über der Familie aufrecht zu halten. Während man so durch die Straßen schlendert, kann man sogar den Eindruck gewinnen, dass sich die Vietnamesen nicht wie die Amerikaner mit ihrem vor dem Haus geparkten Jeep brüsken… sondern einen unausgesprochenen Wettkampf mit dem bestausgestattesten und größten Heimaltar führen. Da können dann durchaus mal alle auffindbaren Coca Cola Geschmacksrichtungen im Türmchen wackelsicher in einer Ecke des Altar aufeinandergestapelt sein.

Die Chinesen waren also da, das kann ich auch ohne das Buch sagen. Dass sich die Franzosen auch dort niedergelassen haben, das ist ebenfalls leicht zu sehen. Neben jeglichen Tierarten und vor allen Dingen jeden Teilen eines Tierkörpers, so verzehren die Vietnamesen auch mit Vorliebe Baguettes. Baguettes, die dann in Sandwichform mit Kleinigkeiten gefüllt werden können. Dass sich das Baguette durchgesetzt hat, dass ist sehr wohl eine bewundernswerte Sache. Die Vietnamesen sind, auch wenn sie in ihrer körperlichen Zierlichkeit kein Gramm zu viel am Körper tragen, die größten Schlemmerer, die ich kennen gelernt habe. Egal zu welcher Tageszeit, die essen und sie essen gerne. Ein Vietnamese in Laos fällt demnach vordergründig ein ihm das wichtigste erscheinende Urteil: In Laos, da kann man nur von 7-19 Uhr essen. Das heißt übersetzt: Das mag der Vietnamese nicht und so mit mag er auch Laos nicht so, wie er Vietnam mag. Da die Vietnamesen so pingelig mit ihrem Essen sind kann man doch betonen das die Franzosen sich wohl geschmeichelt fühlen können, dass die Vietnamesen das Baguette so mit in den Alltag eingebunden haben. Die Vietnamesen sind aber nicht nur pingelig mit ihrem Essen, sondern auch sehr speziell. Ausgestreckte Hundekörper drehen sich auf dem Spieß, wie wir Schweine zu rösten gewohnt sind. Plattgewälzte Oktupuskörper, Eier mit halbausgewachsenen Hühnerkörpern, Schweinsnase, raue Kuhzungen, halbklopfende Hühnchnherzchen, schlemmrige Ziegenhirnsuppe… Dabei ist es wichtig hinzuzufügen, dass die Vietnamesen einen ausgesprochenen Hang haben, nichts zu verschwenden. Alles brauchbar zu machen. Die unbrauchbaren Restteile eines Tierkörper in Europa, die werden in andere Produkte wie Gelatine oder Kleber verwandelt, in Vietnam haben sich die Menschen auf die Entdeckungsreise gemacht alle sämtlichen Teile des Tierleibes essbar zu machen. Hirn, After, Auge, Herz, Darm, Genitalien… eine im Wert steigende Leckerei für jeden Vietnamesen je kurioser die Delikatesse einem europäisch gewohnten Esser erscheint. Ob es nun die Franzosen waren, oder es schlicht etwas ist, dass vergleichbar mit der französischen Art des Essen ist: Die Vietnamesen essen gerne und lange. Der Unterschied zu den Franzosen besteht nur darin, dass sie nicht viel dabei essen. Wenn die Familie also am Tisch oder auf den Boden zusammen kommt, dann werden zahlreiche kleine Böttchen auf dem Boden verteilt, die eine von den vielen verschiedenen Fleischarten auch viele Gemüse beinhaltet. Dass die Vietnamesen scheinbar alles verwertbar gemacht haben, spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass zum Beispiel das gebrauchte Gemüsewasser als Art Suppe mit auf den Tisch bzw. den Boden kommt. So gehen die ans Wasser abgegegeben Gemüsevitamine nicht verloren. Der Reispott steht auch noch im 20. Jahrhundert traditionell neben den Frauen, die sich um die Reisversorgung der Sippe kümmert. Basis ist, wie in anderen asiatischen Ländern also auch der Reis. Anstatt sich wie bei uns zu Hause, den Teller einmal vollzuschlagen und dann nochmal „nachzunehmen“, praktizieren die Vietnamesen eine Art des Essenfassens, die auch eine soziale Seite hat. Jeder isst aus kleinen Schälchen, die zu Beginn mit Reis gefüllt werden. Nachdem der/die Jüngste allen einen guten Appetitt gewünscht hat, schnappt sich jeder während des Essen nach und nach eine „Gabelvoll“ von einem Gemüse oder dem Fleisch und isst es. Das Ablegen des Essbesteckes während der Mahlzeit ist gewöhnlich und zeigt, dass sie sich Zeit nehmen beim Essen. Wo man nun zum einen immer damit beschäftigt ist, sich ein bisschen in sein eigenes Schälchen zu füllen, so kümmert man sich dabei auch um die anderen. Das heißt, dass man seine Stäbchen umdreht und einem anderen dann ein bisschen von etwas in sein Schälchen füllt. Das fordert Rücksicht auf die anderen und auch, dass man sich nicht einzig und allen auf das Füllen seines eigenen Magen konzentriert. Das Essen wird in diesem Sinne zu einem „gemeinsamen Essen“. Nicht nur, dass man den anderen damit Respekt gegenüber zeigt, sondern auch, dass man selbst überrascht glücklich gluckst, wenn man ein Tofustück mehr in seinem Schälchen entdeckt, obwohl man sich gerade unterhalten hat und nicht um sein eigenes Wohl beschäftigt war.

In einem anderen Kapitel könnte ich, wie mir wohlmöglich auch das Buch „Understanding Vietnam“ erklären würde, festhalten, dass das bloße Auge den Einfluss aus Europa, China und Indien in diesem Land sieht. Ob sie nun aus „Befreiungsgründen“, „Missionarsgründen“ oder „Handelsgründen“ einmarschiert sind… sie waren hier und haben einen Mischmasch an Buddhismus, Konfuzianismus, Christentum, Hunduismus Taismus oder weiß Buddha/Gott/Shiva … noch alles. Die eingeführte chinesische Sprache wurde so dann irgendwann mit einem für Asien ungewöhnlichen Schriftbild ersetzt. Dieses erinnert an unser lateinisched Alphabet mit dem Unterschied, dass es fünf verschiedene Akzente gibt, die darauf hinweisen, dass Vietnamesisch eine Tonalsprache ist. Dass das lateinische Schriftbild in Vietnam eingeführt würde, dass sagt mir also auch ohne Buch, dass die Europäer da am Werk waren. Dass die Franzosen da ihre Hände im Spiel hatten ist auch sehr wahrscheinlich… (gut, es wird schwierig nicht das Bücherwissen mit einzubringen, wo sich in meinem Kopf doch noch Fakten von dem Indochine-War etc. befinden… und von ein paar Missionare, die sich auf Reise gemacht haben). Viele Vietnamesen können noch einige wenige französische Wörter sprechen.

Warum hat Vietnam nun diesen berühmten Vietnamkrieg gewonnen? Amerika war mit im Spiel. Amerika und Russland. Vietnam wurde zum Spielfeld des Kampfes zwischen diesen beiden großen Nationen. Ohne nun einen Blick auf die historisch korrekten Fakten zu werfen, entwickele ich mein eigenes historisch-inkorrektes Kapitel. Dass Vietnam „gewonnen“ hat, das sage ich, weil sich die Vietnamesen auch gerne in diesem Gewinnerbild sehen. Sie haben ein ausgesprochenes Fabel dafür mit Militärhelmen spazieren zu gehen, camouflierte Hosen zu tragen… kurz: sich in diesem kämpferischen Bild im Spiegel zu sehen. Die jüngeren Generationen, und Vietnam ist demographisch gesehen (bzw. nur auf den Straßen beobachtetet) eine sehr junge Nation. Die Jüngeren differenziert sich in ihrem Modegeschmack nicht viel im Vergleich mit dem Westler, der sich mit Vorliebe am Trend orientierend anziehen (das westliche Beispiel ist wohl überall das herrschende geworden, zumindest für diejenigen, die es sich leisten können). Bei den Älteren sieht man allerdings noch sehr offensichtlich diesen Hang an die militärische Mode. Warum haben die Vietnamesen diesen Krieg gewonnen, den sie als DEN „Befreiungskrieg“ neben anderen sehen? (Ich sage noch einmal, dass es hier um keine historische Darlegung geht!!). Eine Begründung könnte sein, dass die Vietnamesen ein Völkchen ist, dass wohl einen Hang zu Massenaktionen hat. Die Masse zu bewegen, wie eine Strategie im Krieg lauten könnte. Warum meine ich, dass die Vietnamesen in dieser Hinsicht so gut sind? Weil man zum Einen egal wo in Vietnam durch die Straßen läuft und die Betonhäuser allesamt mit verschiedenen 10stelligen Nummer und Buchstabenkombinationen versehen sind. Warum? Und was hat das mit der Masse zu tun? Diese Stempel „zieren“ die nackten Betonwände auch in den letzten Winkeln, weil ein von einer Betonfirma angestellter Arbeiter durch das Land streift und überall die Nummer der Betonfirma an die Wände stempelt… Werbung sozusagen. Anscheinend hat eine Forma angefangen und nun sind die ganzen Wände damit voll – wirklich voll. Das lächerliche Bild das dabei entsteht, sind Häuserwände, wo die verschiedenen Telefonnummer nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und trotzdem machen sie weiter, die Wände vollzustempeln. Anscheinend hat eine Firma damit angefangen und nun machen es alle. Einer gibt vor, alle machen es nach… Das ist doch eine gute Konditionierung für Massenbewegungen, oder? Dass dabei der Sinn Werbung für den Beton zu machen verloren geht, dass scheinen sie gar nicht mehr zu berücksichtigen, sondern machen es einfach, weil alle es machen. Etwas nicht in Frage zu stellen, sondern einfach mit der Masse zugehen – dass ist doch super, wenn viele Leute für etwas gebraucht werden, oder? Diesen Masseneffekt, kann man im Straßenbild auch noch an etwas anderem festmachen. Viele Reisenede kehren aus Vietnam zurück mit einem gehetzten und gestressten Gesichtsausdruck… diese Vietnamesen sind in ihrem Ruf „hartnäckig im Handeln und können auch richtig nerivg werden“. Wenn man einen Bus nimmt, irgendwo aussteigt, dann kann man sicher sein, im Handumdrehen von einer Masse von Motorrad-Taxifahrern umgeben zu sein, die allesamt an dem Handärmel rupfen und einen für ihr Motorrad überzeugen wollen. Dass sie dabei wenig effektiv um Kunden kämpfen, dass scheinen sie auch nicht mehr in Frage zu stellen. Ganz offensichtlich machen sich die Kunden nämlich ihren Weg aus dieser sauerstoffarmen Masse und suchen sich davon entfernt einen Motorrad-Taxifahrer. Sie stellen es nicht mehr in Frage und rennen einfach in einer Traube zu der Hintertür des Busses und buhlen vergeblich und hoffnungslos um die Kunden. Anscheinend hat wohl mal ein Fahrer damit angefangen und dann haben sie es ihm alle gleich gemacht!?

Eine andere Begründung auf meine Erfahrung in Vietnam gestützt warum Vietnam diesen Krieg gewonnen hat, könnte auch ihre Körpergröße sein. So konnten sie sich einfach und immer und überall verstecken.

Des Weiteren könnte ich mir vorstellen, dass sie gewonnen haben, weil sie einfach den Heimvorteil wie eine Fußballmannschaft in ihrem eigenen Stadium mit ihren eigenen Fans hatten. Sie viele Berglandschaft, wie die Vietnamesen haben, da kommt man mal nicht eben in ein paar Stunden von A nach B. Um sich da durchzuschlagen, da brauchte man schon ein bisschen Ortskunde… vielleicht sind die Amerikaner da oben im Norden aber auch nicht durchgekommen, weil sie einfach zu fasziniert von dieser grünen Vielfalt waren… Die klugen vietnamesischen Köpfchen haben sich das Bergland wohl zur Waffe gemacht. Die Landschaft im Norden ist versehen wie mit aus Förmchen umgedrehten Steinbergen. Als ob jemand Kuchen backen wollte, wurden die Förmchen mit Steinen als Zutat umgedreht und hier und dort in der Landschaft verteilt. Diese Steinberge, die dienten den Vietnamesen als Unterschlupf während des Krieges. Ganz Dörfer haben ihr Leben einfach in die Berge verschoben, sich in den Höhlen ihre Krankenhäuser, Schulen… gebaut. So getarnt haben sie den Flugzeugen von oben kein Futter bieten können, auf das sie ihre Bomben hätten abwerfen können.

Außerdem habe ich die Vietnamesen als ein Volk kennengelernt, dass vor Arbeit keine Scheu hat, sich sogar in die Arbeit stürzt. Gerade im Vergleich mit seinem Nachbarland Laos, ist in Vietnam jede freie Fläche landwirtschaftlich genutzt… und jede Fläche ist mit dreieckigen Strohhüten bedeckt, die kontinuierlich den Rücken gebeugt über dem Land säet, erntet, gräbt… Auch, wenn ich für 2 Stunden lang nur auf diese weiten Flächen gestarrt habe und den Leuten bei ihrer Arbeit zugeschaut habe, so habe ich nur sehr, sehr, sehr selten einen Menschen mit dem beigen Strohhut auf dem Kopf sich strecken oder gar eine kleine Verschnaufspause machen sehen. Das könnte also auch mit ein Grund gewesen sein… ein Völkchen, dass hart arbeitet.

Diese kindlichen Begründungen, warum Vietnam DIESEN Krieg nun gewonnen hat… mal hin oder her…ich habe es ja doch nur benutzt, um euch meine eigenen Erfahrungen darzulegen. Erfahrungen, die mir nun helfen werden, während ich das Buch lesen, die Fakten mit Leben zu füllen. Und vielleicht, vielleicht, werde ich dann sogar auch das Buchwissen ist Frage stellen werden, wo meine Erfahrung mir etwas anderes gelernt haben. So habe ich lieber erst meine eigenen Erfahrungen geschrieben, bevor ich „anderer Leutz Erfahrungen, zu den meinigen mache“. Was ich jetzt auch auf jeden Fall klar habe, ist, dass Vietnam nicht nur mit dem Krieg in Verbindung zu bringen ist, sondern, dass es ein Land ist, das sich wie viele andere Länder auch auf den Weg gemacht hat, wirtschaftlich mit dem Schrittmache der westlichen Welt mitzuhalten. Diesem westlichen Bild folgend bleibt zu hoffen übrig, dass es nicht diesem Standard verfällt sich vielmehr sein eigenes Bild aufrecht erhält. Das kann nämlich irreführend werden und die Realität in Absurditäten verwandeln. Ich versuche bis heute noch herauszufinden, warum die Vietnamesen mich so „unglaublich schön“ finden… vor allen Dingen meine Hautfarbe, wo ich doch im Vergleich zu ihnen, so sonnengebräunt, wie ein Schornsteinfeger gegen ihre babyweiße Haut stehe… Das westliche Bild wird hoffentlich nicht vollkommen in alle Poren des optischen Landesbildes durchfließen, nicht alle Besonderheiten in der Mentalität mit dem druchtränken, was im Westen so „wichtig“ ist… hoffentlich… Vietnam ist nicht mehr im Krieg – nur in dem neuen weltlichen Wirtschaftskrieg.

~ von renailleurs am Freitag, Mai 2, 2008.

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